Neuaufnahme im Depot - Western Digital

von shuntifumi (Kommentare: 0)

Ich hatte ja bereits Anfang Dezember angekündigt, dass ich einige interessante Werte auf der „Watchlist“ habe. Heute hat nun Western Digital den Weg ins wikifolio gefunden.

Western Digital gehört zu den Marktführern im Bereich der Bereitstellung und Entwicklung digitaler Speichermedien. Der Name dürfte vielen ein Begriff sein. Ich beobachte den Titel nunmehr schon etwas mehr als ein Jahr. Damals war ich über den Konkurrenten Seagate gestolpert, dessen Aktie sehr schwach war. Ich hatte jedoch damals Abstand von einem Investment bei Seagate genommen. Einerseits aufgrund der Meinung eines EDV’lers zu Seagate, aber auch weil ich Bedenken betreffend die Zukunft von Seagate hatte (und heute noch habe), weil diese im m.E. wichtigen SSD-Bereich nicht vorn dabei sind. Ich fand daher schon damals Western Digital interessanter, die sich durch die Übernahme von SanDisk gut positioniert haben und hinter Samsung (33 %) etwa 13 % Marktanteil bei SSD’s haben. Jedoch war mir Western Digital damals zu teuer.

Nun haben sich die Vorzeichen jedoch umgekehrt. Während sich Seagate zwischenzeitlich sogar verdoppeln konnte, heute liegen sie immerhin noch etwa 20 % im Plus, hat Western Digital etwas über 50 % an Wert verloren. Einer der Gründe hierfür ist auch die sehr schwache Prognose für das gerade abgelaufene Quartal, inklusive der Ankündigung von Produktionskürzungen.

Meines Erachtens ergibt sich hier eine interessante Möglichkeit für langfristig orientierte Anleger. Überzeugt hat mich vor allem der starke Cash-Flow. Während die berichteten Ergebnisse der letzten 3 Jahre (trotz SanDisk-Übernahme) auf den ersten Blick eher schwach wirken, zeigt ein Blick in die Kapitalflussrechnung, das mehr dahinter steckt.

Während seit dem Jahr 2016 etwa 2,1 Mrd. USD Abschreibungen in die Ergebnisrechnung fließen, müssen nur etwa 0,6 – 0,8 Mrd. USD reinvestiert werden. Es wird also etwa 1,3 – 1,5 Mrd. USD mehr Cash pro Jahr generiert, als dies die Gewinn- und Verlustrechnung vermuten lässt. Dies erklärt auch, warum es trotz der eher mageren Ergebnisse kein Problem für Western Digital ist, neben den rund 0,6 Mrd. USD Dividende pro Jahr auch noch Aktienrückkäufe in Höhe von 5 Mrd. USD zu tätigen. Allein im letzten Quartalsbericht wurden Aktienrückkäufe im Wert von annähernd 0,6 Mrd. USD ausgewiesen.

Es bleibt also festzuhalten, dass, selbst wenn Western Digital künftig nur eine schwarze Null schreiben würde, mehr als eine Mrd. USD Cash p.a. generiert werden wird. Allein dies würde schon die aktuelle Marktkapitalisierung von knapp 11 Mrd. USD rechtfertigen.

Interessant ist, dass die Entwicklung dieses Abschreibungseffektes bereits jetzt absehbar ist. Laut letztem Geschäftsbericht von Western Digital entfallen von den rund 2,1 Mrd. USD Abschreibung zuletzt etwa 1,2 Mrd. USD auf die „Intangibles“ (immaterielles Vermögen). Diese Abschreibungen werden sich in der Zukunft laut Western Digital wie folgt entwickeln:

Fiscal year

2019 … 968 Mio. USD
2020 … 755 Mio. USD
2021 … 503 Mio. USD
2022 … 230 Mio. USD
2023 and thereafter … 144 Mio. USD

(Quelle: Annual Report 2018, Seite 87)

Wie man sehen kann, wird sich die Diskrepanz zwischen Cash-Flow und EPS zukünftig abbauen. Im Jahr 2022 wäre (bei sonst unverändertem Geschäftsverlauf) der Gewinn vor Steuern somit um etwa 1 Mrd. USD höher. Ein m.E. sehr interessanter Trigger für die zukünftige Kursentwicklung.

Aber auch sonst gefällt mir Western Digital gut. Die Marke ist stark und steht für Qualität. Die Perspektiven für den Speichermarkt sehe ich positiv, selbst für die „alten“ HDD’s, bei denen Western Digital ebenfalls marktführend ist, wenn auch inzwischen „nur“ noch gleichauf mit Seagate, die sich quasi zwangsweise auf den Bereich der "alten" HDD’s fokussiert haben und daher aktuell eine Art „Cash-Cow“ sind.

Die Schulden werden aktuell mit durchschnittlich 3,8 % p.a. verzinst. Das Haar in der Suppe ist diesbezüglich höchstens, dass von den rund 11,3 Mrd. Dollar insgesamt 7,9 Mrd. Dollar im Zeitraum Februar bis April 2023 fällig werden. Die Rückzahlung(en) sind also ziemlich konzentriert. Jedoch sollte es unter den aktuellen Gegebenheiten kein Problem sein, innerhalb der nächsten 4 Jahre die nötigen Rücklagen zu bilden, zumal man zuletzt auch rund 4,6 Mrd. Cash vorweisen konnte. Von einer möglichen (Teil-)Prolongation ganz zu schweigen.

Das dem bilanziellen Eigenkapital von 11,4 Mrd. USD immaterielles Vermögen von knapp 12,5 Mrd. USD gegenüber steht, ist zwar ebenfalls eher ein Punkt für die Contra-Liste. Allerdings wird sich dieses Verhältnis durch die genannten Abschreibungen in den kommenden Jahren ebenfalls in Richtung mehr hartes Eigenkapital verschieben.

Ich plane eine Positionsgröße von etwa 10 % bis maximal 15 % Depotanteil. Sollte der Tech-Bereich jedoch weiter crashen, die aktuelle Erholung muss ja noch nichts heißen, werde ich bei Western Digital deutlicher zukaufen, dann werden es eher 20 % bis 30 %. Daten sind das Gut der Zukunft und irgendwo müssen diese gespeichert werden. Hier wird auf absehbare Zeit Geld zu verdienen sein. Konsolidierungen wird es immer geben. Ich sehe diesbezüglich für Western Digital jedoch keine existenzbedrohenden Risiken, einfach, weil der Cash-Flow so stark ist. Auch investiert man zurzeit über 11 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Das bietet neben Chancen auf Innovation auch die Möglichkeit von erheblichen Einsparungen in Krisenzeiten.

Für mich daher eine der interessantesten (Kurs-)Turnaround Aktien seit Langem und somit ein klarer Kauf.

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