EQS - Wann geht es abwärts?

von shuntifumi (Kommentare: 0)

In meinem Beitrag vom 18.10.2018 ("EQS - Führt die Issuer Direct die Probleme ans Licht?") hatte ich bereits die Problematik der Anpassung der Bewertungsmethode seit dem Halbjahresbericht (nun "at fair value") angesprochen. Im Halbjahresbericht konnten die Zahlen damit dank eines Sonderertrags von 2 Mio. Euro (nicht Dollar) "geschönt" werden, was aus einem EBIT von -1,1 Mio. Euro einen Gewinn von 0,9 Mio. Euro machte.

Inzwischen wurde seitens EQS auch der Bericht zum 3. Quartal 2018 veröffentlicht. Ich hatte damals insoweit eine Wertberichtigung von etwa 1,16 Mio. Euro erwartet. Da EQS leider die Quartalsergebnisse nicht einzeln ausweist, sondern immer nur aufgelaufene Jahreswerte berichtet, geht diese Wertberichtigung relativ unkommentiert unter. Im Bericht findet man nur folgenden Satz: 

"... Durch die bilanzielle Umgliederung der Aktienbeteiligung an der Issuer Direct Corp. als „at fair value through profit or loss“ verbunden mit dem Kursanstieg ergibt sich in den ersten neun Monaten ein positives Finanzergebnis in Höhe von € 1,06 Mio. ..." (9M-Bericht, Seite 10)

Das liest sich doch sehr positiv. Doch ein Vergleich mit dem Halbjahresbericht zeigt das Problem:

"... Durch die bilanzielle Umgliederung der Aktienbeteiligung an der Issuer Direct Corp. als „at fair value through profit or loss“ verbunden mit dem Kursanstieg im ersten Halbjahr ergibt sich ein positives Finanzergebnis in Höhe von € 2 Mio. ..." (6M-Bericht, Seite 10)

Wie man erkennt, sind im 3. Quartal dann - trotz der positiven Darstellung - gut 1 Mio. Euro verpufft. 

Der Kaufpreis betrug vor gut einem Jahr 3,64 Mio. USD. Die Wertentwicklung (ohne etwaigen Paketzuschlag) sah bisher wie folgt aus:

31.12.2017 = 5,36 Mio. USD (+1,72 Mio. USD)
31.03.2018 = 4,96 Mio. USD (+1,32 Mio. USD)
30.06.2018 = 5,81 Mio. USD (+2,17 Mio. USD)
30.09.2018 = 4,47 Mio. USD (+0,83 Mio. USD)
...
30.11.2018 = 3,36 Mio. USD (-0,28 Mio. USD)

Inzwischen notiert der Kurs unter Kaufpreis. Im Vergleich zum 9-Monats-Bericht wäre also schon wieder 1 Mio. Euro verschwunden. Jedoch ist mir beim Lesen des Berichtes auch aufgefallen, dass zum USA-Engagement, bei dem nur die Issuer Direct genannt ist, eine (kleine) Zahl steht: 6,6 %. Da hatte ich doch etwas anderes in Erinnerung. Also einmal die dgap-Meldungen durchstöbert, und siehe da, laut Meldung vom 27.09.2017 waren es 9,88 %.

Wurden also inzwischen ein Drittel der Aktien veräußert? Eine Übersicht zu den Verkäufen inklusive Preisen findet man direkt bei der SEC, dort gibt es eine Mitteilung der Issuer Direct vom 09.11.2018. Laut dieser Meldung hält EQS per 09.11.2018 noch 238.136 Aktien, dies entspräche 5,89 % der Aktien der Issuer Direct. Was bisher auch unkommentiert blieb, ist die Tatsache, dass die Issuer Direct im 3. Quartal eine Kapitalerhöhung durchgeführt hat. Dadurch wurde der Anteil von EQS natürlich zusätzlich verwässert. 

Aber warum gibt es dazu keine Nachricht seitens des Unternehmens? Der Erwerb wurde doch auf allen Kanälen verkündet. Hier hieß es doch noch seitens Achim Weick (Gründer und CEO):

"... Mit der strategischen Beteiligung an der Issuer Direct Corporation verfolgen wir das Ziel, unsere bestehende Partnerschaft mit dem News-Dienstleister Accesswire zu festigen und eine solide Basis für den Ausbau unseres US-Geschäfts zu schaffen. ..." (Quelle: dgap.de)

Was ist nun mit der "strategischen Beteiligung"? Ist 1 Jahr bei EQS schon strategisch (=langfristig)? Das wüsste ich gern. Ich habe mit der Veräußerung selbst keine Probleme, auch nicht damit, dass man seine Meinung ändert. Ich finde jedoch, dass jeder (auch potenzielle) Aktionär erfahren sollte, was los ist. Den Einstieg vollmundig zu verkünden, über den Teilverkauf jedoch kein Wort zu verlieren, finde ich extrem miserabel den Aktionären gegenüber. Ich werde dazu einmal die IR-Abteilung kontaktieren. Sollte ich hierzu eine Antwort erhalten, werde ich diese hier auch ergänzend zur Verfügung stellen. Man könnte sich nämlich auch die Frage stellen, ob man aus finanziellen Gründen gezwungen war, Aktien zu Geld zu machen. Immerhin hat man mit den Verkäufen rund 643 TEUR generiert.

Für mich hat das alles einen sehr faden Beigeschmack. Auch wenn die Kurstafel am Freitag sogar wieder 73 Euro anzeigte, bin ich weiter skeptisch, was die künftige Entwicklung angeht. Ich mochte die alte EQS, mit dem starken Meldegeschäft. Der kostenintensive, aufgeblähte "Tech-"Kram ist nichts für mich. Die Bilanz ist schief, das immaterielle Vermögen übersteigt das Eigenkapital inzwischen um mehr als 10 Mio. Euro. Die (immateriellen) Werte resultieren jedoch aus Geschäftsbereichen, die durchweg Verluste erzielen. Hier müssen m.E. irgendwann zwangsläufig Wertberichtigungen folgen. Das EBITDA ist nach 9 Monaten negativ - trotz aktivierter Eigenleistungen - auch wenn Herr Weick letztlich ein positives EBITDA von bis zu 1 Mio. Euro in Aussicht stellt. Nach Abschreibungen etc. wird ein deutliches Minus verbleiben. Korrigiert man das Ergebnis mal um die aktivierten Eigenleistungen, beträgt das EBIT nach 9 Monaten -5,2 Mio. Euro. Die Nettoverschuldung liegt nach 9 Monaten nun schon bei 6,2 Mio. Euro, noch kein Beinbruch, aber es entwickeln sich einfach jegliche Kennzahlen in die falsche Richtung. Das rechtfertigt aktuell einfach keine Bewertung von knapp 105 Mio. Euro.

Ich werde EQS weiter beobachten, unter den aktuellen Gegebenheiten kommt ein Wiedereinstieg jedoch nicht in Frage.

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